Bibelwerkstatt

Neues und Interessantes aus Bibel und Kirche

Abschluss der Bischofssynode zum Wort Gottes

Am Sonntag, dem 26. Oktober endete in Rom die dreiwöchige Bischofssynode zum "Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche". Die beteiligten Bischöfe verabschiedeten eine vorläufige Abschlusserklärung, die zusammen mit 55 Vorschlägen dem Papst überreicht wurde. Das Abschlussdokument "Das Wort Gottes erlöst" atmet eine bemerkenswerte Offenheit und Weite.

Buch

Antifundamentalistische Weite

"Das Wort Gottes geht der Bibel voraus und über die Bibel hinaus". Mit diesem Satz wird gleich zu Beginn der Erklärung die Bibel in einen weiten Horizont hineingestellt: Die gesamte Schöpfung kann als Botschaft Gottes an die Menschen gelesen werden, ebenso ist Gott in der Geschichte der Menschen erfahrbar. Mit diesem Ansatz begründen die Synodalen ein entschiedenes Nein zu einer fundamentalistischen Lesart der Bibel, die in Buchstabengläubigkeit gegenüber den Texten verharren will, ohne grössere Zusammenhänge zu bedenken.

Die Bibel ist in der Tat auch "Fleisch", "Buchstabe", sie drückt sich aus in einzelnen Sprachen, in literarischen und historischen Formen, in Begriffen, die gebunden sind an eine antike Kultur. sie bewahrt Erinnerungen an oft tragische Ereignisse, ihre Seiten sind nicht selten mir Blut und Gewalt befleckt, in ihrem Innern hallt das Lachen des Menschen wider und fliessen die Tränen, so wie sich das Gebet der Unglücklichen und der Jubel der Verliebten erhebt. Wegen dieser "fleischlichen" Dimension erfordert sie eine historische und literarische Analyse, die durch die verschiedenen von Bibelexegese angebotenen Methoden und Annäherungsweisen verwirklicht wird. Jeder Leser der Heiligen Schriften, auch der einfachste, muss eine angemessene Kenntnis des heiligen Textes haben und sich klar machen, dass das Wort in konkrete Wörter gekleidet ist, denen es sich ausliefert und anpasst, um für die Menschheit hörbar und verständlich zu sein.

Dialog mit anderen Religionen und Konfessionen

Das Wort Gottes hat in christlicher Tradition überdies das Antlitz Jesu Christi (s. Johannesprolog). Dabei stellen die Synodalen besonders heraus, dass Jesus von Nazaret die Züge des jüdischen Volkes und seiner Kultur trägt. Zudem stellt das Dokument heraus, dass alle Heiligen Schriften des Judentums und der jüdischen Schriftauslegung "das Geheimnis Gottes und der Menschen erhellen". Damit wird dem christlichen Dialog mit dem Judentum ein vorrangiger Stellenwert eingeräumt. Aber auch die anderen Religionen kommen voller Hochachtung in den Blick. An erster Stelle wird unter ihnen der Islam genannt, der in seinen Traditionen viele Personen, Symbole und Themen aus der Bibel aufgreift. Auch die ökumenische Bedeutung der Bibel kommt zu Wort. Die Bischöfe empfehlen das "gemeinsame Zeugnis des Wortes Gottes in einer säkularisierten Welt" und sprechen sich für gemeinsame Bibelübersetzungen aus.

Geistliche Schriftlesung

Innerkirchlich legen die Synodalen Wert auf eine gute biblische Fundierung von Verkündigung, Katechese und Predigt. Zudem betonen sie, dass sowohl die wissenschaftliche Auslegung der Bibel als auch der geistliche Umgang mit ihr ("lectio divina" / Geistliche Schriftlesung) unverzichtbar seien. (Quelle: www.bibelwerk.de)